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Unbeliebt und trotzdem sexy – Wie steht es um die Attraktivität der Stadt Hannover?

Seit Jahren positioniert sich Hannover als starker Immobilienstandort. Doch trotz zahlreicher großer Wohnbauvorhaben steht die niedersächsische Landeshauptstadt nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Wie es aktuell um die Attraktivität der Großstadt an der Leine steht, diskutierte David Jacob Huber, Geschäftsführer des BFW Niedersachsen/Bremen e.V., gemeinsam mit drei weiteren Branchenexpertinnen und -experten beim diesjährigen Immobilienmonitor von IMMOCOM in Hannover. Dabei ging es auch um die Zukunft der Innenstädte, Revitalisierung und die Beziehung zwischen der Branche und der Verwaltung.

Dass Hannover noch lange keine A-Stadt ist und sich als „Königin der B-Städte“ sehr wohl fühlt, zeigte sich bereits in der ersten Diskussionsrunde des Hannoverschen Immobilienmonitors. Dennoch sollte sich das Image der Landeshauptstadt verbessern, wie der BFW-Landesgeschäftsführer David Jacob Huber in der zweiten Diskussionsrunde verdeutlichte: „Hannover hat einen enormen Freizeitwert, aber ihr fehlt der Charme. Die Menschen fahren nicht für ein verlängertes Wochenende nach Hannover, sondern verbringen ihren Kurzurlaub eher in Bremen oder Hamburg. Auch wenn unsere niedersächsische Landeshauptstadt einiges zu bieten hat, müssen wir dies den Menschen nahe bringen und das Stadtimage verbessern.“

Hannover – ein wichtiger Immobilien- und Wirtschaftsstandort

Trotz der geringen Anziehungskraft der niedersächsischen Landeshauptstadt von Touristen und Wochenendurlaubern, verspricht die Region insbesondere für Gewerbeimmobilien ein großes Potenzial. „In Hannover lässt sich die Vernetzung besonders positiv hervorheben. Als Logistik- und Produktionsstandort besitzt die Region wichtige Rahmenbedingungen, die sie für Projektentwicklungen im Rahmen von Einzelhandelsimmobilien attraktiv machen“, so Dr. Katrin Grumme, Geschäftsführende Gesellschafterin EGCP. Auch der Oldenburger Unternehmer Michael Garstka, Geschäftsführer der List Develop Comercial, bezeichnete Hannover als spannende Stadt. Er betonte dennoch, dass trotz des starken Wandels in den letzten Jahren insbesondere die Revitalisierung stärker in den Fokus gerückt werden muss.

Mischnutzung als Zukunft der Innenstädte

Gerade in den Innenstädten muss die Revitalisierung stärker vorangetrieben werden. Der Wandel im Kaufverhalten sowie der Kaufkraft der Bürger führt dazu, dass auch in den Stadtzentren neue Konzepte gedacht werden müssen. „Wenn ich nach der Zukunft der Innenstädte gefragt werde, ist meine Antwort ganz klar die Mischnutzung. Einzelhandel und Wohnen sollten stärker miteinander gekoppelt werden. Ein Einkaufzentrum über den zweiten Stock hinaus kann in meinen Augen künftig nicht mehr bestehen“, stellte Dr. Grumme heraus. Dies bestätigte der BFW-Landesgeschäftsführer Huber: „Schon vor einigen Jahrhunderten gab es in den Innenstädten eine Vernetzung von Einzelhandel und Wohnen. Wenn wir nicht umdenken und unsere Komfortzone verlassen, werden sich unsere Stadtmitten künftig in Betonwüsten verwandeln. Wir müssen das Leben wieder in die Zentren kriegen. Dabei ist die Mischnutzung eine gute Möglichkeit.“

BFW-Mitgliedsunternehmen sind große Innovationstreiber

Als Landesgeschäftsführer hob David Jacob Huber auch die wichtige Rolle der Mitgliedsunternehmen des BFW Niedersachsen/Bremen e.V. hervor. „An dieser Stelle möchte ich nochmal ein Lob an unsere Mitgliedsunternehmen und alle anderen Bauschaffenden ausrichten, die trotz steigender Baukosten und den bestehenden politischen Rahmenbedingungen viel geschafft haben, darunter auch diverse Vorzeige-Projekte in Hannover“, betonte Huber.


Planungssicherheit und Dialog als wichtige Voraussetzungen für den Wohnungsbau in Niedersachsen und Bremen

Die Anforderungen an die Branche steigen stetig. Vor allem im Wohnungsbau steht die Immobilienwirtschaft vor zahlreichen Hürden. Beim 40. Hannover-Forum zeigte sich, dass auch in Niedersachsen und Bremen einiges getan werden muss, um den Wohnungsbau voranzutreiben. In den Ergebnissen der landesverbandseigenen Umfrage sowie in der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Es bedarf Planungssicherheit sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Politik und Unternehmen.

Bereits seit 40 Jahren gilt der BFW Niedersachsen/Bremen e.V. als erster Ansprechpartner freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen im Nordwesten für politische und fachliche Anliegen. Der Wohnungsbau war und ist dabei stets ein aktuelles Thema, das zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt. „Baulandmangel, Materialknappheit, steigende Baukosten, hohe Auflagen, lange Planungs- und Genehmigungsverfahren – Im Wohnungsbau stehen wir vor diversen Hürden. Nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine, der uns alle zutiefst erschüttert, zeigt uns die Notwendigkeit, diese Hemmnisse abzubauen und schnell neuen Wohnraum zu schaffen. Unsere Branche sendet dabei ein eindeutiges Signal: Wir wollen bauen und können es auch. Um aber die geplanten Wohnungsbau- und Klimaschutzziele zu erreichen, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen“, betonte Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender des BFW Niedersachsen/Bremen e.V.

Die Zukunft des Bestandes

Neben verlässlichen Rahmenbedingungen bedarf es zudem ein Umdenken beim Schaffen von neuem Wohnraum. Nicht nur der Neubau bietet hier Potenziale. Die Ergebnisse der jüngst veröffentlichten Wohnungsbau-Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. (ARGE e.V.) zeigen, dass gerade dem Bestand eine hohe Bedeutung im Wohnungsbau zukommt. „Wir können es schaffen bis 2045 etwa 3,2 Millionen Wohnungen zu bauen, und zwar vor allem durch die Umnutzung und Modernisierung von Bestandsbauten. Dabei ist es auch wichtig über das Gebäude hinaus zu denken. Gerade das Quartier bietet einen guten Ansatz, um die Gebäudeoptimierung zu erleichtern“, so Dietmar Walberg, Geschäftsführer der ARGE e.V. Darüber hinaus lassen die Ergebnisse der Wohnungsbau-Studie den Schluss zu, dass der angestrebte Effizienzhausstandard (EH 55) eher ein Hemmnis im Wohnungsbau darstellt. „Die derzeitigen Vorgaben der Bundesregierung stehen in einem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Wir von der ARGE empfehlen daher einen mittleren Standard zu entwickeln, der in etwa bei einem Effizienzhaus (EH) 70 im Neubau und im Bestand beim Standard EH 115 liegt. Dieser spart Kosten und ermöglicht es uns dennoch die Klimaziele zu erreichen“, bekräftigte Walberg.

Aktuelle Situation in Niedersachsen und Bremen

Neben der ARGE e.V. stellte auch der Landesverband die Ergebnisse seiner eigenen Umfrage zum Wohnungsbau in Niedersachsen und Bremen vor. Die aktuelle Landesverbandsumfrage, an der rund 100 Unternehmen aus der Region teilgenommen haben, verdeutlicht, dass gerade bezahlbares Wohnen und Bauen sowie die Dauer der Planungs- und Genehmigungsverfahren den Wohnungsbau im Nordwesten behindern. Auch die ordnungsrechtlichen Vorgaben in Bezug auf die Energieeffizienz im Neubau und Bestand hemmen den Wohnungsbau eher als ihm zu nutzen. „Wir als Unternehmer wollen klimaneutral bauen und Quartiere schaffen. Dafür müssen wir uns aber von diesem engen Korsett der KfW Standards befreien. Die Branche hat so viele Potenziale, die die heutige Systematik nicht freisetzt. Wir wünschen uns Technologieoffenheit und das Denken im System“, so Dr. Frank Eretge, Geschäftsführer der Gundlach-Gruppe. Als Forderungen an die Politik zeigen sich in der landesverbandseigene Umfrage vor allem eine schlankere Baugesetzgebung, digitale und schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine Verknüpfung von bezahlbarem und klimaneutralem Bauen und Wohnen.

 

Wohnungsbau gelingt nur Hand in Hand

In einer anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Politik und Immobilienwirtschaft zwar dieselben Ziele verfolgen, aber andere Vorstellungen der Realisierung dieser haben. „Beim Thema Wohnungsbau treffen diverse Interessen und Expertisen aufeinander. Dies erschwert es einen gemeinsamen Konsens zu finden, der dabei unterstützt den Wohnungsbau optimal voranzutreiben“, so Stefanie Nöthel, Leiterin der Abteilung für Städtebau und Wohnen im niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Auch in Bremen ist man sich der verschiedenen Expertisen bewusst und versucht einen gemeinsamen Weg zur Zielerreichung zu finden. „Wir auf der Verwaltungsseite sind dabei Tacheles zu reden. Wir müssen es schaffen alle Fachgebiete zusammenzubringen, um ideale Lösungen zu finden – auch im Dialog mit der Wohnungswirtschaft“, betonte Prof. Dr. Iris Reuther, Senatsbaudirektorin der Freien Hansestadt Bremen. Neben dem Wunsch nach mehr Dialog klangen in der Diskussion auch Forderungen nach einer Reduktion der Auflagen im Wohnungsbau an. „Es kann nicht sein, dass uns im Wohnungsbau Vorschriften begegnen, die nicht nachvollziehbar sind und zudem zu viel kosten. Um tatsächlich die Ziele der Bundesregierung erfüllen zu können, bedarf es eines Abbaus der Bürokratie. Wir haben keine Zeit und kein Geld, um uns über Türgrößen Gedanken zu machen, die ein Türbauer gar nicht herstellen kann“, verdeutlichte Dirk Salewski, Mitglied im Präsidium des BFW Bundesverbandes.

Insgesamt zeigte sich Einigkeit über die Herausforderungen im Wohnungsbau in Niedersachsen und Bremen. Allerdings bedarf es einer engeren Zusammenarbeit, um gemeinsam Lösungen zu finden und nicht am Bedarf vorbeizubauen.

 

Weitere Eindrücke der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie. Außerdem haben wir die Highlights der Veranstaltung in einem Video für Sie zusammengefasst. Zum Video gelangen Sie hier.

 

Bildquelle: Niklas Krug


Das 40. Hannover-Forum in 67 Sekunden

Informative Expertenvorträge und kontroverse Diskussionen – Beim 40. Hannover-Forum trafen knapp 180 Gäste zusammen, um über die Herausforderungen und Potenziale im Wohnungsbau in Niedersachsen und Bremen zu sprechen. Neben fachlichen Impulsen kam auch das Netzwerken nicht zu kurz.

Die Highlights des diesjährigen Landesverbandstages haben wir in einem kurzen Video für Sie zusammengefasst:

 


13. Wohnungsbau-Tag: Bau- und Immobilienbranche im Dialog mit der Politik

Sieben führende Organisationen und Verbände der Bau- und Immobilienbranche, unter ihnen auch der BFW, führten beim heutigen 13. Wohnungsbau-Tag 2022 in Berlin einen konstruktiven Dialog mit der Politik. Neben Baupolitikerinnen und -politikern aus dem Bundestag waren auch Bundesbauministerin Klara Geywitz und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zu Gast.

Grundlage für den Austausch war eine aktuelle Studie des Bauforschungsinstituts „ARGE für zeitgemäßes Wohnen“ (Kiel). Die Studie zeigt einen Fahrplan dafür, wie das Wohnen klimaneutral werden kann. Bei der Klimaschutz-Modernisierung fordern die Wissenschaftler der ARGE allerdings, Kosten und Nutzen gründlich abzuwägen, um das Wohnen nicht unverhältnismäßig teuer zu machen. Das sei – zusammen mit mehr Klimaschutz beim Wohnen – allerdings nur zu erreichen, wenn der Staat eine Reihe von zusätzlichen Steuer-Anreizen setze und KfW-Programme anpasse bzw. neue Förderungen schaffe.

Lesen Sie hier den vollständigen Beitrag.


Suburbanisierung: Corona-Pandemie als Trendbeschleuniger

Der Trend hin zum Wohnen fernab der Großstadt macht auch in Niedersachsen und Bremen nicht Halt. Dass diese Entwicklung vielseitige Herausforderungen mit sich bringt, zeigte sich im Rahmen der 9. nordwestdeutschen Immobiliennacht des BFW Niedersachsen/Bremen e.V.

Bereits zu Beginn der Veranstaltung wurde die Bedeutung der Thematik rund um die Suburbanisierung für die Immobilienwirtschaft sichtbar. “Die Auseinandersetzung mit Urbanisierung und Suburbanisierung ist in der Immobilienwirtschaft nichts Neues. Die Mitgliedsunternehmen des BFW Niedersachsen/Bremen stellen sich berufsbedingt schon seit jeher die Frage, welche Trends sich in Hinblick auf Wanderungsbewegungen und Wohnpräferenzen ergeben. Durch die beschleunigte Suburbanisierungsentwicklung im Rahmen der Corona-Pandemie sind die Fragen rund um die Wanderungsbewegungen allerdings drängender geworden. Vor allem stellt sich die Frage, was die Suburbanisierungstendenzen für die Innenstädte bedeuten. Wir sind nun in der Pflicht so Antworten zu finden – nicht irgendwann, sondern jetzt“, betonte Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender des BFW Niedersachsen/Bremen e.V.

Für einen passenden Einstieg in die Diskussion rund um das Thema Suburbanisierung sorgten zwei Impulsvorträge, die die Thematik aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchteten. Mit seiner aktuellen Studie zum Einfluss der Pandemie auf die Wohnpräferenzen in Deutschland zeigte Dr. Mathias Dolls, dass die Corona-Pandemie den bestehenden Trend zur Suburbanisierung nochmals beschleunigt.  „Die Corona-Pandemie hat das Potenzial, dem bestehenden Trend der Suburbanisierung einen Schub zu geben. Vor allem die verstärkte Möglichkeit des Homeoffice kann diese Entwicklung möglicherweise dauerhaft antreiben. Damit einher gehen Chancen und Risiken für unsere Innenstädte. Es bedarf innovativer Konzepte und Ideen, die Innenstädte neu zu beleben“, so der stellvertretende Leiter des ifo Instituts für Makroökonomik und Befragungen.

Mangel an (bezahlbarem) Wohnraum trotz Stadtflucht

Diesen Effekt der Pandemie sieht auch Dr. Ralph Henger vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. „Bereits seit 2014 verzeichnen wir einen Trend zum suburbanen Wohnen. Ursachen sind die hohen Wohnkosten und der Wohnraummangel in deutschen Großstädten sowie die sich wandelnden Wohnpräferenzen der Bevölkerung. Die Corona-Pandemie hat die gesamte Entwicklung beschleunigt. Homeoffice, gestiegene Ansprüche an gutes Wohnen und Wohnraummangel in den Städten machen ein Leben fernab der Großstädte attraktiver“, so der Wissenschaftler. Er verdeutlicht außerdem, dass trotz der Abwanderung bisherige Herausforderungen, wie der Wohnungsmangel in den Ballungszentren bestehen bleiben. Es sei somit wichtig, weiterhin das Wohnangebot in den Großstädten auszudehnen und gleichzeitig auch die Infrastruktur in suburbanen Räumen voranzutreiben.

Suburbanisierung: Chance oder Risiko?

Mit den konkreten Herausforderungen und Chancen der Suburbanisierung in den Innenstädten beschäftigte sich die Talkrunde mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Vor allem die Entwicklungen in Städten, wie Oldenburg und Bremen waren Gegenstand der Diskussion. „In Oldenburg beobachten wir Tendenzen der Suburbanisierung. Familien ziehen ins Umland, das Pendleraufkommen wächst und die Altersgruppen verschieben sich. Dieser Trend kann Entlastung und Belastung zugleich für unsere Innenstädte bedeuten. Eine Entlastung kann nur entstehen, wenn alle partizipierenden Kommunen aktiv und im Konsens diese Entwicklung steuern. In der Realität zeigt sich dies aufgrund der kommunalen Planungshoheit oder der unterschiedlichen Mobilitätsbedarfe kaum umsetzbar. So wird die Suburbanisierung für Stadtregionen stark tendenziös eine Belastung“, schlussfolgerte Dr. Sven Uhrhan, Stadtbaurat der Stadt Oldenburg. „In Bremen zeichnet sich der Trend der Suburbanisierung schon seit vielen Jahren ab. Platz- und Wohnungsmangel zwingen viele Bremer Familien ihren Traum vom Eigenheim mit Garten im Umland zu verwirklichen. Problematisch ist dabei, dass Menschen, vor allem im mittleren Alter, durch die Abwanderung als Steuerzahler verloren gehen“, merkte Joachim Linnemann, geschäftsführender Gesellschafter der Justus Grosse GmbH, an. Es zeigt sich, dass auch die Großstädte in Niedersachsen und Bremen neue Konzepte schaffen müssen, um den Herausforderungen der Suburbanisierung entgegenzutreten.

Mobilität als wichtiges Element beim Umgang mit Suburbanisierung

Eine besondere Herausforderung stellt das Thema Mobilität für die Innenstädte dar. Durch das wachsende Verkehrsaufkommen müssen in Bezug auf den Klimaschutz neue Mobilitätskonzepte etabliert werden. Angefangen bei Alternativen zum eigenen Verbrenner für Pendler aus dem ländlichen Raum bis hin zu flexiblen ÖPNV Angeboten und dem Ausbau von Carsharing Services – Für eine gelingende Verkehrstransformation ist es notwendig, die Mobilität unabhängig von Stadtgrenzen ganzheitlich zu entwickeln.


Verbaler Schlagabtausch im Boxring – Zweiter #fightCLUB! des BDA Niedersachsen und BFW Niedersachsen in Hannover

Kein Körperkontakt, aber dafür umso schlagkräftigere Argumente: Vertreterinnen und Vertreter der Immobilienwirtschaft und Architektur standen sich im September zum zweiten Mal im Boxring gegenüber. Direkt vor dem niedersächsischen Landtag in Hannover debattierten beide Seiten in vier zehnminütigen Fights über aktuelle Branchenherausforderrungen. Im Mittelpunkt des #fightCLUB! stand dennoch der Dialog zwischen den beiden Disziplinen, um gemeinsame Lösungen für Themen der Branche zu finden.

Bereits zu Beginn der Veranstaltung zeigten die Gastgeber, dass Immobilienwirtschaft und Architektur aufeinander angewiesen sind. „Architektur und Immobilienwirtschaft stehen vor denselben Herausforderungen. Klimawandel, zunehmende Vorschriften und Regulierungen sind nur einige der Themen, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam im Gespräch bleiben und voneinander profitieren“, betonte Dirk Streicher, Vorsitzender des BFW Niedersachsen/Bremen e.V. Der Landesvorsitzende des BDA Niedersachsen, Matthias Rüger, stimmte zu: „Auch wenn wir in Teilen verschiedene Interessen verfolgen, brauchen wir einander, um die Herausforderungen der Zeit zu lösen. Im Fokus der derzeitigen Diskussionen und somit auch des diesjährigen #fightClubs! steht vor allem der Klimawandel. Wir, die Bau- und Planungsbranche, dürfen uns nicht zurücknehmen, sondern müssen vereint eine klimagerechte Transformation des Bauens erwirken. Gemeinsam schaffen wir das!“

Im Zentrum des diesjährigen #fightCLUB! standen Themen zu aktuellen Herausforderungen, wie beispielsweise „digital versus analog“ oder „Stadt versus Land“. In vier zehnminütigen Fights begegneten sich jeweils zwei KontrahentInnen im Boxring und diskutierten über Herausforderungen, Gegensätzlichkeiten, Gemeinsamkeiten und mögliche Lösungsansätze.

Jeder Fight ein reger Schlagabtausch

Trotz leichtem Nieselregen und teils stürmischen Böen wurde in allen Fights kontrovers  diskutiert. Gleich zu Beginn gab es einen schlagkräftigen Argumentaustausch zum Thema „Lehm und Holz versus Beton und Stahl“. Dr. Christine Lemaitre, geschäftsführende Vorständin der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, machte ihrem Unmut über die Betonlobby mehrfach Luft und betonte, dass die Bemühungen der Industrie, vor allem auch im Bereich der Baustoffforschung, zu schwach sind. Ihrem Mitstreiter Gerhard Greiner, Landesvorsitzender des BDA in Hessen, lag dagegen vor allem das langfristige und dauerhafte Baumen am Herzen, das einen nachhaltigen Einsatz auch von Beton und Stahl möglich mache. Beiden war am Ende klar, dass es zukunftsfähige Lösungen für den nachhaltigen und umweltfreundlichen Einsatz verschiedener Baustoffe bedarf und es nicht darum geht, welche Baustoffart die beste und einzige Lösung ist.

Neben den KontrahentInnen ließ sich auch das Publikum von den Meinungsverschiedenheiten und Lösungsvorschlägen mitreißen. Vor allem das Bremer Duell zum Thema „Verdichtung versus Traumhaus“ sorgte für viel Stimmung und Spaltung im Publikum. „Die Entwicklungen lassen nicht mehr zu, dass all unsere Bedürfnisse erfüllt werden. Auf kurz oder lang müssen wir lernen uns einzuschränken“, stellte Benjamin Wirth, Gründer von wirth Architekten, heraus. Dies sah sein Rivale, Olaf Mosel von M Projekt anders: „Ich finde, dass jeder so wohnen sollte wie er möchte. Man kann den Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben“.

Lieber in der Stadt oder auf dem Land wohnen? Vorlieben spielten auch im nächsten Fight eine zentrale Rolle. Prof. Ulrike Mansfeld zeigte neben ihrer Vorliebe fürs Land auch dessen zentrale Bedeutung für die Städte auf. „Das Land bietet uns Naherholung, Nahrung, technische Innovationen und Arbeitsplätze. Wenn aber niemand mehr auf dem Land lebt und arbeitet, kommt es zu einem technischen K.O., worunter letztlich auch die Stadt und der Klimawandel leiden“, so die Dekanin der Fakultät Architektur, Bau und Umwelt an der Uni Bremen. „Wir müssen Leben und Arbeiten zusammenbringen. Das funktioniert in der Stadt besser. Dennoch müssen wir auch in unseren Städten einige Herausforderungen meistern, damit die Verdichtung nicht zu Lasten der Lebensqualität in den Städten geht“, betonte ihr Mitstreiter Manfred Hofmann vom Wohnungsunternehmen meravis. Kommentator Uwe Bodemann merkte in seinem Statement am Ende an, dass Stadt und Land nicht getrennt voneinander betrachtet werden sollten, wenn es um die jeweiligen Herausforderungen geht. Symbiose anstatt Rivalität ist hier die Lösung.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen die KontrahentInnen im Fight „Analog versus Digital“. Eva Ibrügger von der Delta Energie GmbH, die im Lager „digital“ antrat, legte den Fokus auf die neuen Möglichkeiten, die sich durch digitale Räume für unsere Flexibilität und Beweglichkeit ergeben. Auch wenn Stefan Giesler vom Büro Giesler Architekten seiner Mitstreiterin in vielen Punkten zustimmte, betonte er den Bedarf von analogen Orten des Zusammentreffens, die auch die Städteattraktivität steigern können. „Die Menschen wollen sich in Präsenz treffen und Begegnungen erleben, die es nur analog gibt. Wir müssen ihnen diese Räume bieten und somit neue Konzepte verwirklichen, die die Menschen wieder in die Städte ziehen“, fordert der Stadtplaner und Architekt aus Braunschweig/Berlin. Auch in diesem Fight zeigte sich der Wunsch nach hybriden Lösungen. Genau wie Stadt und Land in Wechselbeziehung stehen, wird niemand digital und analog voneinander trennen können.

Viel Input und neue Gedankenanreize

Am Ende der Veranstaltung wurde der Mehrwert eines solchen Aufeinandertreffens zwischen Immobilienwirtschaft und Architektur nochmals hervorgehoben. „Der Fightclub ist eine gute Möglichkeit, um in einer Runde zusammenzukommen und gemeinsam über die Zukunftsfragen der Branche zu diskutieren. Die bauende und planende Zunft muss gemeinsam Antworten finden und dafür in den Dialog treten. Wie in allen Fights deutlich wurde, ist ein Austausch über diverse Themen zentral“, so Uwe Bodemann, ehemaliger Stadtbaurat der Stadt Hannover, der als Kommentator in den Ring trat. Auch Moderator Hartwig von Saß, Projekteiter der neuen Immobilienmesse Real Estate Arena, betonte zum Abschluss: „Das war ein Abend, bei dem ich viel neuen Input mitnehmen konnte und Themen nun aus anderen Perspektiven beleuchten kann. Es wurde deutlich, dass ein Schwarz-Weiß-Denken an vielen Stellen zu kurz greift.“

Bildquelle: Andreas Bormann

 

Weitere Eindrücke von der Veranstaltung gewinnen Sie hier.


„BFW baut Zukunft“

Landesverbandstag rund um innovative Projektentwicklungen

Neue Zeiten, alte Herausforderungen und ein hoher Bedarf an Innovationen – Beim 39. Hannover-Forum zeigte sich, dass Themen, wie Baulandmangel, bezahlbarer Wohnraum, Klimaschutz, Ressourcen- und Fachkräftemangel und Digitalisierung aktueller denn je sind. Der Ruf nach Innovationen als Chance, die Rahmenbedingungen im Wohnungsbau zu optimieren, zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Den Abschluss bildete die Verleihung des Innovationspreises des BFW Niedersachsen/Bremen e.V. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Landesverband zukunftsweisende Bauprojekte aus Nordwestdeutschland, die zum Nachahmen animieren sollen.  

Den vollständigen Nachbericht lesen Sie hier: Hannover-Forum 2021.


Hannover-Forum 2021 mit neuem Konzept

Neue Zeiten fordern neue Konzepte – Bereits seit 38 Jahren veranstaltet der BFW Niedersachsen / Bremen e.V. das bewährte und bekannte Hannover-Forum. Auch in diesem Jahr möchte der Landesverband nicht auf dieses etablierte Treffen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft verzichten und präsentiert daher ein neues Konzept: Das Hannover-Forum 2.0.

Unter dem Motto „BFW baut Zukunft“ findet das diesjährige Hannover-Forum als Hybridveranstaltung sowohl vor Ort in Hannover als auch virtuell auf einer innovativen Event- und Messeplattform statt.

Panels vom 16. bis 21. Juni

Das bekannte Vormittagsprogramm mit den bisher vier parallel laufenden Panels wird auf die davorliegenden Tage ausgelagert. Sie haben somit die Möglichkeit im Zeitraum vom 16.06.21 bis 21.06.21 täglich an einem Panel mit je vier Kurzvorträgen online teilzunehmen. Sofern Sie keine Zeit haben, an einzelnen Vorträgen teilzunehmen, können Sie alle Vorträge später als Aufzeichnung auf der Eventplattform ansehen.

Hannover-Forum 2.0 am 22. Juni

Das Hauptprogramm findet am 22. Juni 2021 statt. In Abhängigkeit von den im Juni geltenden Bestimmungen können Sie das Hannover-Forum entweder digital per Live-Stream verfolgen oder vor Ort im Congresshotel Wienecke XI. in Hannover teilnehmen.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.


Weniger, einfacher, langlebiger – Energiebotschafter Timo Leukefeld über die „Enttechnisierung als Zukunft des Wohnungsbaus“

Im vierten Wowi Web-Talk des BFW Niedersachsen/Bremen skizzierte Prof. Dipl.-Ing Timo Leukefeld eine neue Zukunft des Wohnens, die nach seiner Auffassung von weniger Technik geprägt sein sollte. Grund für seine Überlegungen sind zahlreiche Zukunftsprognosen über den Wohnungs- und Energiemarkt, die das Anlagevermögen in Immobilien zukünftig drastisch schmälern könnten.

Hierzu zählen laut dem Energieexperten unter anderem die CO2-Steuer, der Handwerkermangel und die sinkende Kaufkraft der Mieter. Denn sicher ist: In Zukunft wird es immer mehr Technik in Gebäuden geben, die erstmal verbaut und danach regelmäßig gewartet werden muss. Wenn das Fachpersonal, das diese Arbeiten durchführt nur noch selten ist, werden die Einbau- und Wartungskosten drastisch steigen. Dazu kommt, dass die Energiekosten steigen werden, wodurch Kaltmieten sinken und somit Mietrenditen schmälern.

Der Ausweg aus dieser kostenintensiven Zukunftsspirale ist laut Professor Leukefeld unter anderem die Enttechnisierung. Dieser Ansatz meint nicht den Verzicht, sondern die radikale Vereinfachung der Haustechnik, die vor allem auch langlebiger gedacht werden soll. Gemeinsam mit dem Autarkieteam entwickelte er ein Gebäude, das genau diesen Lösungsansatz verfolgt: Das Energieautarkhaus. Mit diesem Gebäude haben sie ein hochgradig energieautarkes und technikarmes Objekt geschaffen, das zugleich intelligent vernetzt ist. So können sich die Nutzer mittels einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach mit grünem Strom, Wärme und Warmwasser weitestgehend selbst versorgen. Die Infrarotheizung sorgt zudem dafür, dass das Gebäude dank der Sonnenenergie nicht nur nahezu nebenkostenfrei, sondern auch wartungsarm ist und über wenig sichtbare Haustechnik verfügt.

An dieser Wohnungsbaustrategie, die bereits einige Herausforderungen der Zukunft im Wohnungsbau entgegenwirkt, knüpft ein zukunftsorientiertes Geschäftsmodell für Mehrfamilienhäuser: Die Pauschalmiete mit Energieflat. „Das Modell […] beinhaltet einen festen Mietzins für bis zu zehn Jahre, in dem alle Kosten für Wohnen, Strom, Wärme und Mobilität enthalten sind“, so Leukefeld. Dies erleichtert nicht nur die Nebenkostenabrechnung für Mieter und Vermieter, sondern sorgt zudem dafür, dass die Vermieter ihre Mieterlöse im Vergleich zu einem herkömmlichen Gebäude und Geschäftsmodell um bis zu drei Euro pro Quadratmeter steigern können.

Somit zeigt der Energiebotschafter, dass die Kombination aus energieautarken, technikarmen Gebäuden und neuen Geschäftsmodellen ein vielversprechender Lösungsansatz ist, um einige Herausforderungen im Wohnungsbau zu bewältigen.


Die Stimme der Verbände: Was sie leisten und warum das für die Branche wichtig ist

Im aktuellen Podcast der Immobilienjunioren spricht David Jacob Huber, Geschäftsführer des BFW Niedersachsen/Bremene, über die Relevanz immobilienwirtschaftlicher Verbände. Hören Sie selbst, warum es sich lohnt, Verbandsarbeit zu unterstützen und was der BFW & Co. für die Branche tun.

Aktueller Podcast der Immobilienjunioren

Unter anderem zu folgenden Schwerpunkten:

  • Immobilienverbände als Schnittstelle zwischen Branche und Politik
  • Lobbyarbeit im positiven Sinne: Für eine nachhaltige, aber bezahlbare Immobilienwirtschaft
  • Neue Kommunikationswege und wie sich Verbände entwickeln: Wie lässt sich Social Media integrieren?
  • Darf es noch ein wenig mehr sein? Zusätzliche Angebote durch Events und Weiterbildung
  • Erwartungen junger Branchenteilnehmer an Verbände und wie die Next Generation integriert wird
  • Kooperation Immobilienjunioren und BFW Niedersachsen / Bremen