Beim 44. Hannover-Forum des BFW Niedersachsen/Bremen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Immobilienwirtschaft über Wege aus der anhaltenden Wohnungsbaukrise. Im Mittelpunkt standen schnellere Verfahren, Deregulierung und die Frage, wie Kommunen den Wohnungsbau künftig stärker ermöglichen können.
Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender des BFW Niedersachsen/Bremen, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass der Wohnungsbau trotz des weiterhin hohen Bedarfs „seit 2022 nicht wirklich vorankommt“. Projekte werden verschoben, Investitionen zurückgestellt und Planungen aufgegeben. Ursachen sind insbesondere steigende Baukosten, hohe Standards sowie unsichere politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. „Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch weitere Regulierung, sondern durch mehr Angebot“, betonte Streicher. Damit dies gelingt, forderte er schnellere Genehmigungsverfahren, mehr Deregulierung und eine konsequente Anwendung des „Bauturbos“ in den Kommunen. Entscheidend ist dabei gemeinsames Handeln von Politik, Verwaltung und Branche.
Wohnungsmarkt unter Druck
Einen Einblick in die aktuelle Marktlage gab Jan Grade, Geschäftsführer der empirica regio GmbH. Er beschrieb einen Wohnungsmarkt, der weiterhin unter den Folgen gestiegener Zinsen, hoher Baukosten und wachsender Regulierung leide. Der aktuelle Marktzyklus ende nicht langsam, sondern abrupt, das heißt ohne Entlastungsventil und mit unsicherem Ausgang“. Grade mahnte: „Ein funktionierender Markt braucht Bewegung. Wo Angebot und Nachfrage entkoppelt sind, erstarrt das System zum Nachteil aller Beteiligten.“ Er plädierte daher dafür, den Miet- und Wohnungsmarkt nicht isoliert zu betrachten sowie Wechselwirkungen zwischen Regulierung, Kosten und Erschwinglichkeit stärker in den Fokus zu rücken.
Politik setzt auf Vereinfachung und Förderung
Im anschließenden Polittalk diskutierte David Jacob Huber, Geschäftsführer des Landesverbands, mit Matthias Wunderling-Weilbier,
Staatssekretär im Nds. Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, und Arend Bewernitz, Senatsbaudirektor der Freien Hansestadt Bremen, über aktuelle wohnungspolitische Maßnahmen in Niedersachsen und Bremen.
Wunderling-Weilbier verwies auf zusätzliche Mittel für die Wohnraumförderung sowie weitere Vereinfachungen im Bauordnungsrecht. „Das Bauen muss einfacher werden und Wohnen bezahlbar bleiben“, erklärte der Staatssekretär. Die Landesregierung überprüfe derzeit Richtlinien und Vorgaben systematisch auf ihre Praxistauglichkeit. Gleichzeitig müssten die geschaffenen Spielräume „vor Ort auch genutzt werden“.
Bewernitz stellte den „Bremer Weg“ vor, mit dem Bremen auf schnellere Verfahren, Digitalisierung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Wohnungswirtschaft setzt. Ziel sei es, Planungs- und Genehmigungsprozesse pragmatischer und verlässlicher zu gestalten. „Wenn Verwaltung und Wirtschaft an einem Strang ziehen, entsteht Wohnraum“, so Bewernitz.
Kommunen zwischen Anspruch und Umsetzung
In der Diskussionsrunde „Motor oder Bremse? Die Rolle von Städten und Gemeinden im Wohnungsbau“ diskutierten Jens Bollmann, Prokurist der gbg Hildesheim, Lars Kolk, Erster Stadtrat der Hansestadt Stade und Susanne Laue, Vorsitzende vom Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen e.V. und Bürgermeisterin von Syke, über kommunale Verantwortung, Zielkonflikte und konkrete Lösungsansätze.
Bollmann verwies auf das „Hildesheimer Modell“, mit dem bereits heute kostensparender und pragmatischer gebaut werde. „Wir haben nicht gewartet, sondern einfach gemacht“, erklärte er. Frühzeitige Abstimmungen zwischen Kommunen, Investoren und Versorgern beschleunigen nach seiner Erfahrung die Verfahren deutlich.
Laue machte deutlich, dass viele Kommunen grundsätzlich bauen wollten, Verfahren jedoch häufig zu lange dauerten und durch zusätzliche Anforderungen erschwert würden. „Man muss aus alten Denkmustern raus“, forderte sie mit Blick auf neue Instrumente wie den Bauturbo. Gleichzeitig warb sie für mehr Verständnis gegenüber kommunalen Entscheidungsprozessen und Zielkonflikten.
Kolk hob die Bedeutung von Vertrauen zwischen Politik, Verwaltung und Investoren hervor. Städte benötigten Handlungsspielräume und eine aktive Bodenpolitik, um Wohnraum schaffen zu können. Zugleich verwies er auf die zunehmenden Herausforderungen im Bestand und auf den wachsenden Fachkräftemangel.
In der Gesamtschau wurde deutlich, dass der Wohnungsbau nur dann wieder Fahrt aufnehmen kann, wenn politische Zielsetzungen, kommunale Umsetzung und wirtschaftliche Realitäten stärker miteinander in Einklang gebracht werden. Vereinfachte Verfahren, verlässliche Rahmenbedingungen und eine konsequente Nutzung bestehender Spielräume auf kommunaler Ebene sind dabei zentrale Hebel. Zugleich bleibt entscheidend, dass alle Akteure nicht in ihren jeweiligen Zuständigkeiten verharren, sondern gemeinsam an pragmatischen Lösungen arbeiten, um den dringend benötigten Wohnraum tatsächlich zu realisieren.
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Bildquelle: Niklas Krug











