Wohnraum schaffen, Bauland mobilisieren und Verfahren vereinfachen waren die zentralen Themen beim Austausch von Politik und Wirtschaft beim Neujahrsempfang des BFW Niedersachsen/Bremen. Konkret wurden Maßnahmen wie Baukostensenkungen, Bauturbo sowie neue Leitlinien für Planbarkeit, Qualität und Verlässlichkeit diskutiert.
Vorstandsvorsitzender Dirk Streicher blickte in seiner Begrüßung auf ein herausforderndes Jahr 2025 zurück: „Der Wohnungsbau liegt weiterhin hinter dem, was nötig wäre. Baugenehmigungen steigen leicht, aber genehmigt ist noch lange nicht gebaut.“ Für die Bauschaffenden forderte er konkrete Entlastungen: „Grundstückspreise müssen runter. Bund, Länder und Kommunen müssen günstiges Bauland bereitstellen, um Wettbewerb und Preisdruck zu erhöhen.“ Darüber hinaus nannte er eine Reihe weiterer Maßnahmen, um den Wohnungsbau anzukurbeln:
- Senkung der Grunderwerbssteuer auf 3,5 %
- Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 %
- Vereinfachung der Baunutzungsordnung
- Förderung innerstädtischer Nachverdichtung auch ohne Bebauungsplan
- Einheitliche Bauordnung für alle 16 Bundesländer
- Rechtssichere Reduzierung von Standards, z.B. beim Gebäudetyp „E“
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obte die Fortschritte in Niedersachsen und Bremen: „Mit dem Bremer Weg und dem Niedersächsischen Weg wurden erste wichtige Schritte zur Baukostensenkung gemacht. Da müssen wir weiter ansetzen. Denn wir brauchen keine Absichtserklärungen, sondern rechtssichere Leitplanken und Mut, Ermessensspielräume auszunutzen.“ Abschließend appellierte er: „Lassen Sie uns Bremen und Niedersachsen zum Vorbild für Bauen in Deutschland machen.“
Moderiert von David Jacob Huber, Geschäftsführer des BFW Niedersachsen/Bremen, diskutierten im Anschluss Claudia Simon, Abteilungsleiterin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, und Arend Bewernitz, Senatsbaudirektor der Freien Hansestadt Bremen, über aktuelle Herausforderungen im Wohnungsbau.
Bauturbo, Checklisten und Praxisnähe: so will Bremen das Bauen erleichtern
Arend Bewernitz hob die Praxisorientierung in Bremen hervor: „Der Bremer Weg soll mit Checklisten, Leitfäden und angepassten Webseiten operationalisiert werden, damit Bauprojekte zügig umgesetzt werden können.“ Er verwies auf aktuelle Projekte wie das Tabak-Quartier und die Weser Höfe, die zeigen, wie man Bauvorhaben effizient vorbereiten und koordinieren kann. Zusätzlich sollen neue Stellen für Baukultur/Wettbewerbswesen und Wohnungsbaukoordination zusammengefasst werden, um Bauprozesse verbindlicher und effektiver zu gestalten. Bewernitz betonte: „Es geht darum, Hemmnisse abzubauen und gleichzeitig klare Standards zu setzen, damit gutes Bauen planbar und verlässlich wird.“
Fokus auf Zusammenarbeit – Niedersachsen begleitet den Bauturbo
Claudia Simon betonte, dass Fortschritte in Niedersachsen nur wirken, wenn Planerinnen und Planer, Bauschaffende sowie Verwaltungen und Kommunen die neuen Möglichkeiten auch tatsächlich nutzen. Sie erklärte, dass das Ministerium die Kommunen aktiv begleiten und beraten werde, damit der Bauturbo Wirkung entfaltet. Ziel des Niedersächsischen Weges zum erleichterten und kostengünstigen Bauen sei es, Ermessensspielräume konsequent auszuschöpfen und bürokratische Hemmnisse zu reduzieren. Gleichzeitig sollen Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden, um schneller und kosteneffizient bauen zu können. Simon machte deutlich: „Nur durch enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik, Planerinnen und Planer und Bauwirtschaft können wir die dringend benötigten Wohnräume schaffen und die bestehenden Instrumente effektiv nutzen.“
Bauland, Kooperation und Mut – Erwartungen der Landesregierung
Zur Baulandfrage betonte Simon die Rolle der Gemeinden: „Ohne Zustimmung der Kommunen geht nichts, aber wir begleiten und unterstützen den Bauturbo.“ Sie setze zudem den Fokus auf Kooperation und Nutzung der Bauordnung: „Wir können nur gemeinsam erfolgreich sein. Verwaltung, Politik und Unternehmer müssen im Dialog die Spielräume nutzen, die wir geschaffen haben.“ Bewernitz ergänzte, dass Bremen bereits ihre Stadtentwicklungsgesellschaften nutzt, um Projekte gezielt voranzubringen, ohne die bestehende Infrastruktur zu überlasten. Sein Ziel: „Gute Qualität zum besten Preis, solide Nachbarschaften mit gutem Wohngefühl. Dabei müssen wir pragmatisch bleiben und Verfahren kontinuierlich vereinfachen.“
Weitere Eindrücke vom Neujahrsempfang finden Sie in der Bildergalerie.
Bildquelle: Jasper Rother









