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Wohnraum schaffen, Bürokratie abbauen: Niedersachsen und Bremen zeigen den Weg

Wohnraum schaffen, Bauland mobilisieren und Verfahren vereinfachen waren die zentralen Themen beim Austausch von Politik und Wirtschaft beim Neujahrsempfang des BFW Niedersachsen/Bremen. Konkret wurden Maßnahmen wie Baukostensenkungen, Bauturbo sowie neue Leitlinien für Planbarkeit, Qualität und Verlässlichkeit diskutiert.

Vorstandsvorsitzender Dirk Streicher blickte in seiner Begrüßung auf ein herausforderndes Jahr 2025 zurück: „Der Wohnungsbau liegt weiterhin hinter dem, was nötig wäre. Baugenehmigungen steigen leicht, aber genehmigt ist noch lange nicht gebaut.“ Für die Bauschaffenden forderte er konkrete Entlastungen: „Grundstückspreise müssen runter. Bund, Länder und Kommunen müssen günstiges Bauland bereitstellen, um Wettbewerb und Preisdruck zu erhöhen.“ Darüber hinaus nannte er eine Reihe weiterer Maßnahmen, um den Wohnungsbau anzukurbeln:

  • Senkung der Grunderwerbssteuer auf 3,5 %
  • Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 %
  • Vereinfachung der Baunutzungsordnung
  • Förderung innerstädtischer Nachverdichtung auch ohne Bebauungsplan
  • Einheitliche Bauordnung für alle 16 Bundesländer
  • Rechtssichere Reduzierung von Standards, z.B. beim Gebäudetyp „E“

Streicher lobte die Fortschritte in Niedersachsen und Bremen: „Mit dem Bremer Weg und dem Niedersächsischen Weg wurden erste wichtige Schritte zur Baukostensenkung gemacht. Da müssen wir weiter ansetzen. Denn wir brauchen keine Absichtserklärungen, sondern rechtssichere Leitplanken und Mut, Ermessensspielräume auszunutzen.“ Abschließend appellierte er: „Lassen Sie uns Bremen und Niedersachsen zum Vorbild für Bauen in Deutschland machen.“

Moderiert von David Jacob Huber, Geschäftsführer des BFW Niedersachsen/Bremen, diskutierten im Anschluss Claudia Simon, Abteilungsleiterin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, und Arend Bewernitz, Senatsbaudirektor der Freien Hansestadt Bremen, über aktuelle Herausforderungen im Wohnungsbau.

Bauturbo, Checklisten und Praxisnähe: so will Bremen das Bauen erleichtern

Arend Bewernitz hob die Praxisorientierung in Bremen hervor: „Der Bremer Weg soll mit Checklisten, Leitfäden und angepassten Webseiten operationalisiert werden, damit Bauprojekte zügig umgesetzt werden können.“ Er verwies auf aktuelle Projekte wie das Tabak-Quartier und die Weser Höfe, die zeigen, wie man Bauvorhaben effizient vorbereiten und koordinieren kann. Zusätzlich sollen neue Stellen für Baukultur/Wettbewerbswesen und Wohnungsbaukoordination zusammengefasst werden, um Bauprozesse verbindlicher und effektiver zu gestalten. Bewernitz betonte: „Es geht darum, Hemmnisse abzubauen und gleichzeitig klare Standards zu setzen, damit gutes Bauen planbar und verlässlich wird.“

Fokus auf Zusammenarbeit – Niedersachsen begleitet den Bauturbo

Claudia Simon betonte, dass Fortschritte in Niedersachsen nur wirken, wenn Planerinnen und Planer, Bauschaffende sowie Verwaltungen und Kommunen die neuen Möglichkeiten auch tatsächlich nutzen. Sie erklärte, dass das Ministerium die Kommunen aktiv begleiten und beraten werde, damit der Bauturbo Wirkung entfaltet. Ziel des Niedersächsischen Weges zum erleichterten und kostengünstigen Bauen sei es, Ermessensspielräume konsequent auszuschöpfen und bürokratische Hemmnisse zu reduzieren. Gleichzeitig sollen Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden, um schneller und kosteneffizient bauen zu können. Simon machte deutlich: „Nur durch enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik, Planerinnen und Planer und Bauwirtschaft können wir die dringend benötigten Wohnräume schaffen und die bestehenden Instrumente effektiv nutzen.“

Bauland, Kooperation und Mut – Erwartungen der Landesregierung

Zur Baulandfrage betonte Simon die Rolle der Gemeinden: „Ohne Zustimmung der Kommunen geht nichts, aber wir begleiten und unterstützen den Bauturbo.“ Sie setze zudem den Fokus auf Kooperation und Nutzung der Bauordnung: „Wir können nur gemeinsam erfolgreich sein. Verwaltung, Politik und Unternehmer müssen im Dialog die Spielräume nutzen, die wir geschaffen haben.“ Bewernitz ergänzte, dass Bremen bereits ihre Stadtentwicklungsgesellschaften nutzt, um Projekte gezielt voranzubringen, ohne die bestehende Infrastruktur zu überlasten. Sein Ziel: „Gute Qualität zum besten Preis, solide Nachbarschaften mit gutem Wohngefühl. Dabei müssen wir pragmatisch bleiben und Verfahren kontinuierlich vereinfachen.“

Weitere Eindrücke vom Neujahrsempfang finden Sie in der Bildergalerie.

Bildquelle: Jasper Rother


Bauen zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Mut, Verzicht und ein gemeinsamer Wille als Schlüssel für mehr Wohnungsbau

Die Bau- und Immobilienbranche kämpft weiterhin mit enormen Herausforderungen: gestiegene Kosten, stagnierende Genehmigungszahlen, verunsicherte Investoren und einem politischen Umfeld, das eher Ankündigungen als Entlastungen liefert. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ungebrochen hoch. Wie Deutschland dennoch die Trendwende schaffen kann, stand im Mittelpunkt der 13. nordwestdeutschen Immobiliennacht des BFW Niedersachsen/Bremen.

Lesen Sie hier den gesamten Nachbericht.


Planen und bauen kann so einfach sein

Darüber hinaus zeigte er Maßnahmen auf, die nicht auf Investitionen abzielen und dennoch den gewünschten Effekt erzielen. Als gebürtiger Niederländer verwies er dazu auf Beispiele seines Heimatlandes.

Ein großes Problem sieht Joosten in der geringen Eigentumsquote in Deutschland. Im Europavergleich, wo der Durchschnitt bei 69 Prozent liegt, bildet Deutschland mit 46,7 Prozent nahezu das Schlusslicht. „Eigentum wird hierzulande abgestraft. Wir sollten die Finanzierung von Eigentum möglich machen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten“, so Joosten. Die Förderung von Wohneigentum, beispielsweise durch staatliche Bürgschaften, fordert auch der BFW.

Für die ersten 100 Tage nach der Regierungsbildung hat Joosten einen ganz konkreten Vorschlag. 30 Prozent der Bauvorschriften sollten seiner Meinung nach gestrichen werden. Die Abschaffung kostet den Staat kein Geld; die Baukosten würden dadurch immens gesenkt. Doch den Mut hat die neue Regierung in ihrem Koalitionsvertrag bislang nicht bewiesen. Ein Vergleich, wie mutig die Niederländer agieren: vor fünf Jahren wurde der Bebauungsplan abgeschafft und durch Umgebungspläne ersetzt. Somit werden keine Nutzungen mehr vorgegeben; generell arbeiten Städte und Kommunen eng mit der Wohnungswirtschaft zusammen. Im Ergebnis entstehen durch die gewonnenen Freiheiten kreative Planungen, die mehr Wohnraum schaffen. „Wir bauen in den Niederlanden als Team mit allen Beteiligten, um schnell bauen zu können.“ Joosten versteht auch den Bebauungsplan in Deutschland als Instrument und nicht als Ziel, der demzufolge nur Leitplanken vorgeben und nicht alles bis ins letzte Detail festsetzen sollte. Das kann auch die Zeit vom Aufstellungsbeschluss bis zum rechtskräftigen Inkrafttreten um Jahre verkürzen. Denn auch hier punkten die Niederländer. Ein Umgebungsplan ist in ein bis zwei Jahren aufgestellt. Die Umgebungsgenehmigung in acht Wochen erteilt. Für Deutschland unter den aktuellen Vorzeichen wohl eher ein Wunschmodell.

Und auch das Thema Bauland nimmt Joosten ins Visier. Bauen auf der grünen Wiese. Auch hier zeigen die Niederlande, wie sich Bauen im Einklang mit der Natur vereinbaren lässt. Die neue niederländische Regierung plant demnach 400.000 neue Wohneinheiten auf der grünen Wiese – seriell, digital und teilweise AI gesteuert.

Luxusstandard noch zeitgemäß?

In Deutschland muss alles 100 Prozent sicher sein. Ein Beispiel ist der Brandschutz: die Auflagen (und damit die Kosten) in Deutschland gehen weiter als in den Niederlanden: Verbrennen deshalb in Deutschland weniger Menschen bei Wohnungsbränden als in unserem Nachbarland? Joostens Denkanstoß: „Ist der Luxus, den sich die deutsche Politik durch die hohen Standards leistet, auch von den Nutzern gewollt? Während die Niederländer auch mit dem Drei-Sterne-Standard glücklich, sicher und zufrieden leben, bleibt Deutschland dem Vier- und Fünf-Sterne-Standard treu, sogar im geförderten sozialen Wohnungsbau.“  Doch Joostens nüchternes Fazit bringt es auf den Punkt: „Unter den aktuellen Rahmenbedingungen ist dieser Standard schlichtweg nicht zu finanzieren. Und keine gebauten Wohnungen lösen nicht die Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Im Gegenteil: sie führen zu mehr Unmut in der Gesellschaft.“

Weitere Eindrücke von der Real Estate Arena finden Sie in der Bildergalerie.

Bildquelle: BFW Niedersachsen/Bremen


Real Estate Arena 2025

Mit einigen Impressionen von der Real Estate Arena blickt der BFW Niedersachsen/Bremen auf eine erfolgreiche Messe in Hannover. So viele tolle Gespräche mit Tiefgang und Inspiration, Vorträge und Impressionen…

Vielen Dank an das gesamte Team der Messe rund um Hartwig von Saß. Der BFW Landesverband Niedersachsen/Bremen e. V. konnte sich mit seinem Gemeinschaftsstand hervorragend präsentieren. Ein besonderer Dank geht zugleich an unsere zwölf Standpartner und deren Gäste. Wie Sie auf den Bildern sehen können, war der Stand immer gut besucht.

Wir freuen uns auf die Fortsetzung in 2026.

Die Bildergalerie von der Messe finden Sie hier.

Bildquelle: Niklas Krug


43. Hannover-Forum: Politischer Richtungswechsel gefordert

 

Landesverbandstag des BFW Niedersachsen/Bremen zur Lage beim Wohnungsbau

„Aufbruch“ – so lautete das Motto beim 43. Hannover-Forum des BFW Niedersachsen/Bremen. Im Fokus des Landesverbandstags standen innovative Praxisbeispiele, die auch unter schwierigen Vorzeichen wirtschaftlich realisiert werden. Darüber hinaus wurde der politische Diskurs fortgesetzt. Gemeinsam mit den wohnungspolitischen Sprechern aus Niedersachsen ging es um die Frage nach entlastenden politischen Maßnahmen, die durch die neue Bundesregierung initiiert werden müssen.

Die Wohnungswirtschaft befindet sich weiter im Krisenmodus. In seiner Begrüßung nahm daher Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender des BFW Niedersachsen/Bremen, Bezug auf die aktuellen bundespolitischen Entwicklungen und forderte die Regierung zum Handeln auf: „Ohne eine sofortige und umfangreiche Wohnungsbau-Reform wird die jüngst beschlossene Neuverschuldung folgenlos. Der Wohnungsbau verdient es, auf der politischen Agenda ganz oben zu stehen, denn ohne Wohnungen gibt es keine Fachkräfte und ebenso wenig Wirtschaftswachstum.“ Vor diesem Hintergrund stellte Streicher das 100-Tage-Sofortprogramm vor, welches der BFW Bundesverband in intensiver Abstimmung mit den Landesverbänden formuliert hat.

Frank Doods, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, pflichtete dem Vorsitzenden bei und verwies darauf, dass wir uns in Zeiten tiefgreifender Umbrüche befinden: „Finanzielle Handlungsfähigkeit ist eine entscheidende Grundbedingung, aber Geld allein baut nicht. Wir brauchen auch Verfahren, die eine Umsetzung in angemessener Zeit gewährleisten. Mit der Wohnungspolitik ist eine herausragende soziale Verantwortung verbunden.“ Er verwies auf den vorliegenden Gesetzentwurf zum Gebäudetyp E, der das Bauen einfacher, schneller und kostengünstiger machen soll. „Hier ist die zukünftige Bundesregierung gefordert. In Niedersachsen haben wir die Voraussetzungen für den Typ E in der Bauordnung gestellt. Jetzt benötigen wir noch den gesetzlichen, insbesondere den zivilrechtlichen Rahmen“, so Doods. Dem BFW Niedersachsen/Bremen dankte er indes für die gute und konstruktive Zusammenarbeit, nicht zuletzt bei der Novellierung der niedersächsischen Bauordnung.

In der anschließenden Diskussion, welche Auswirkungen ein bundespolitischer Richtungswechsel für Niedersachsen mit sich bringen kann, gingen die Ansichten der wohnungspolitischen Sprecher auseinander.

„Für mehr bezahlbaren Wohnraum in Niedersachsen sind die Novellierung der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) sowie die Gründung der WohnRaum Niedersachsen GmbH bedeutende Schritte. Durch die Anpassungen in der Bauordnung werden bürokratische Hürden reduziert und der Bau neuer Wohnungen beschleunigt“, bekräftigt Frank Henning, MdL Niedersachsen für die SPD, den landespolitischen Kurs.

Auch Heiko Sachtleben, MdL Niedersachsen von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, sieht Niedersachsen in Sachen Beschleunigung auf einem guten Weg: „Mit der dritten Novelle der NBauO im kommenden Frühjahrsplenum gehen wir die nächsten Schritte nach dem Motto „schneller, einfacher, günstiger“. Zugleich forderte er eine weitere Kapitalisierung der Landeswohnungsgesellschaft, die Bereitstellung weiterer Landesmittel für den sozialen Wohnungsbau und mehr finanzielle Unterstützung des Bundes für städtebauliche Maßnahmen, für die Sanierung von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden.

Für Christian Frölich, MDL Niedersachsen der CDU und Bauunternehmer, sind die Maßnahmen der aktuellen Landesregierung hingegen nicht weitreichend genug: „Diesbezüglich haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern eher ein Umsetzungsproblem und dies weil die Umsetzung zunächst z.B. im Hinblick auf eine Reduzierung oder Teilrückerstattung der Grunderwerbssteuer mit Mindereinnahmen verbunden wäre. Es reicht daher nicht, wie es die Landesregierung macht“. Aus diesem Grund enthält der Entschließungsantrag der CDU, der in Kürze eingebracht werden soll, zwölf konkrete Maßnahmen, die das Bauen günstiger, einfacher und schneller machen.

Philipp Weber, stellvertretender Vorsitzender BFW Niedersachsen/Bremen e.V., wendet sich aus der Perspektive der Unternehmer an die Politiker und mahnt: „Unsere Branche erstarrt im Umbruch. Einige Geschäftsmodelle sind vollständig weggebrochen. Die Zahl der Insolvenzen steigt stetig. Unsere Branche hat die Herausforderung, mit unserer Kreativität neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, aber dazu brauchen wir Handlungsspielräume. Die derzeit geringe Fähigkeit zur Anpassung ist ein gutes Stück in dem festsitzenden Korsett aus DIN-Normen und anerkannten Regeln der Technik begründet. Hier bedarf es pragmatischer Lösungen und unbürokratischer Regelungen.“

Die gesamte Bildergalerie zur Veranstaltung finden Sie hier.

Bildquelle: Niklas Krug


„Bauen und Wohnen müssen politische Chefsache werden“

Klare Forderungen beim Jahresempfang des BFW Niedersachsen/Bremen

Die desaströsen Entwicklungen in den Fertigstellungen und Baugenehmigungszahlen zeigen, mit welch schwierigen Rahmenbedingungen die Branche weiterhin zu kämpfen hat. Ein weiter so kann nicht funktionieren. Der BFW nutzte, auch mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen, den Jahresempfang, um seine Kernforderungen gegenüber Politik und Verwaltung zu formulieren und zu diskutieren.

„Wenn uns das Wasser schon bis zum Hals steht, darf man nicht in die Knie gehen“, appellierte Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender des BFW Niedersachsen/Bremen, an die Gäste. Acht von zehn Unternehmen befürchten weiterhin eine rasante Talfahrt, daher sind notwendige Veränderungen dringend geboten. Dies erfordert Mut auf allen Ebenen, Ermessensspielräume zu nutzen. Dazu braucht es klare Rahmenbedingungen, wo die Reise hingehen soll. Dass die Branche bereitsteht, bringt der Landesverband mit seinem neuen Jahresmotto „Aufbruch“ zum Ausdruck.

„Wir möchten und müssen bauen – Deutschland ist noch lange nicht fertig gebaut und die starke Anspannung auf dem Wohnungsmarkt nimmt weiter zu. Das Grundgeschäft ist nach wie vor vorhanden. Wie wir wieder zum Bauen kommen, ist hinlänglich bekannt. Nicht bremsen. Aufbruch und der Weg nach vorne müssen die Devise sein“, so Streicher, der sowohl als Verbandsvorsitzender als auch als Unternehmer Alarm schlägt.

Dazu gilt es, alle politischen Hebel aus der vorhandenen Sackgasse, die durch in den vergangenen Jahren gestellten Weichen auf Bundes- und Landesebene entstanden ist, zu nutzen. Als Beispiel nannte Streicher den mutigen Vorstoß der niedersächsischen Landesregierung bei der Novellierung der Bauordnung: „Wir wollen ein starkes Niedersachsen und Bremen. Dazu benötigen wir weitere Entlastungen von Bund, Ländern und den Kommunen. Unsere Mitgliedsunternehmen stellen ihr starkes Engagement täglich unter Beweis. Zahlreiche Auszeichnungen belegen die Innovationskraft und das unermüdliche Bestreben, wieder mehr zu bauen.“

Dirk Salewski, Präsident vom BFW Bundesverband, knüpfte an und mahnte: „Wir haben in Deutschland kein Einnahmenproblem. Wir haben ein Ausgabenproblem. Das Geld reicht nicht aus, daher prüfen wir mit Augenmaß, was man fordert und noch fordern kann.“ Förderungen stehen für den Verband der mittelständischen Immobilienwirtschaft nicht im Vordergrund. Salewski kritisierte hingegen insbesondere die weitere Bürokratisierung, die das Bauen stetig verteuert. „Wir rufen nach Deregulierung sowie Vereinfachung und einem klaren Zivilrecht, damit wir vernünftig mit unseren Kunden Verträge schließen können, wie wir es alle gemeinsam wollen.“

An der Diskussion beteiligte sich auch Frank Doods, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Bauen, Verkehr und Digitalisierung. „Wir haben in Niedersachsen vieles überwunden und konzentrieren uns auf das, was wir selbst auf Landesebene regeln können. Einfacher, schneller, günstiger – diesen Paradigmenwechsel haben wir schon im letzten Jahr in der Novellierung der niedersächsischen Bauordnung eingebracht.“ Für den Staatssekretär gilt es, dass ewige Streben nach mehr Sicherheit, welches zwangsläufig zu immer mehr Regulierung führt, zu durchbrechen.

Die Einschätzung der Lage aus Sicht einer Förderbank brachte Michael Kiesewetter, Vorstandsvorsitzender der NBank ein: „Trotz allgemeiner Flaute sehen wir eine hohe Nachfrage im Segment des geförderten Wohnungsbaus. Die Wohnraumförderung in Niedersachsen ist im Ländervergleich eine der besten. Auch deshalb werden zurzeit viele Projekte geändert, um Förderung als Finanzierungsbaustein zu nutzen.“ Die Förderungen konzentrieren sich zu 95 % auf den Mietwohnungsbau. Für Kiesewetter muss daher auch die Schaffung von Eigentum gemeinsam mit der Landespolitik näher betrachtet und stärker gefördert werden.

Salewski fasste abschließend zentrale Forderungen des Verbandes zusammen: „Bauen und Wohnen muss in der neuen Bundesregierung zur Chefsache erklärt werden. Angefangen bei der temporären Senkung der Grunderwerbsteuer über das Herabsetzen der Baustandards bis hin zu massiven Investitionen in die Infrastruktur abseits der Metropolen. Ebenso muss sich die Eigentumsquote erhöhen, beispielsweise durch qualifizierte Wohneigentumsprogramme, in denen der Bund als Bürgschaftsgeber fungiert. Wir brauchen zudem eine neue Willkommenskultur für Baukräne und Bagger.“

Auch Staatssekretär Doods sieht die Aufgabe der neuen Bundesregierung darin, klare Standards zu schaffen. Streicher appellierte, ein effektives Maßnahmenpaket zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu schließen.

Die Bildergalerie zum Neujahrsempfang finden Sie hier.

Bildquelle: Niklas Krug


Mehr Wohnungsbau in Sicht? BFW kommentiert Novelle der NBauO beim Immobilien-Dialog Hannover

„Tatsächlich gibt es gute Erleichterungen, die aber vorwiegend das Bauen im Bestand betreffen“, so der Landesverbandsgeschäftsführer. „Das betrifft beispielsweise Umbaumaßnahmen und Nutzungsänderungen. Bedeutsam ist auch Paragraf 33 zur Entbehrlichkeit eines zweiten Rettungsweges, der allerdings nicht für den Neubau gilt.“
Die weggefallene Stellplatzpflicht (§47 NBauO) gilt hingegen sowohl für den Bestand als auch für den Neubau. Dazu mahnte Huber an: „Leider erleben wir bereits jetzt Fälle, wo Kommunen diese Neuerung durch städtebauliche Verträge unterlaufen.“ Hier bleibe abzuwarten, ob es sich um Einzelfälle handele. Ein weiterer wesentlicher Punkt, der zur Beschleunigung führen kann, ist die Genehmigungsfiktion (§70a NBauO). Sie tritt für bestimmte Baumaßnahmen nach Ablauf einer Frist von drei Monaten ein. Auch die Anerkennung von Typengenehmigungen aus anderen Bundesländern (§73 a Abs. 5) erleichtert die Planungs- und Genehmigungsprozesse.

Ganz allgemein begrüßt der BFW Niedersachsen/Bremen den mutigen Vorstoß der Landesregierung. Dennoch benötigt die Branche weitere Erleichterungen, insbesondere im Neubau, damit das Bauen tatsächlich einfacher, schneller und kostengünstiger werden kann. Hubers Fazit: „Nach der Novelle ist vor der Novelle. Wir als Verband der mittelständischen und zumeist inhabergeführten Immobilienwirtschaft werden auch in der nächsten Novellierung daran arbeiten, dass gesetzliche Rahmenbedingungen weiter entschärft und vereinfacht werden.“

In der sich anschließenden Diskussion dreht sich alles um die Frage, was den Bauturbo zündet. Dazu Helmut Kummer, Geschäftsführer vom Theo Gerlach Wohnungsbau-Unternehmen: „Wir sind froh, dass die Politik umdenkt, aber es geht noch einiges mehr. Der Bauturbo muss sich aus vielen Teilen zusammensetzen, die NBauO ist nur ein Baustein neben Zinsen, Förderungen und anderen.“ Das bestätigte auch Philipp Weber, Geschäftsführer von Weber Massivhaus. „Die Novellierung der NBauO gibt einen positiven Impuls, aber keine generelle Trendwende.“ Neben dem Blick auf die politischen Rahmenbedingungen appellierte Weber zugleich auch an die Branche: „Wir haben Produkte geschaffen, die nicht mehr bezahlbar sind. Wir müssen das Know-how, das wir als Unternehmen haben, wieder mehr nutzen, um das Bauen günstiger zu machen.“

Ein Dankeschön geht an den Veranstalter Heuer Dialog für die tolle Organisation des Immobilien Dialog Hannover und den Gastgeber KONE Aufzüge & Rolltreppen GmbH.


Die Branche im Krisenmarathon: Endspurt in Sicht?

Es sind bewegte Zeiten. Die Immobilienbranche sieht sich weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen gegenüber; das Ergebnis sind stetig sinkende Baugenehmigungszahlen. Das jüngste Ampel-Aus der Bundesregierung verspricht ebenso wenig schnelle politische Abhilfe. Statt im Krisenmodus zu verharren, stellt sich die Branche selbst ihrer Verantwortung. Wie Strategien und Modelle aussehen können, wurde bei der 12. nordwestdeutschen Immobiliennacht des BFW Niedersachsen/Bremen thematisiert.

Lesen Sie hier den gesamten Nachbericht.


B!WRD des BFW: „Sonderpreis für soziale Verantwortung“ geht nach Niedersachsen

 

Beim B!WRD, dem Projektentwicklerpreis vom BFW Bundesverband, wurde erstmals der „Sonderpreis für soziale Verantwortung“ verliehen. Preisträgerin ist die Dipl. Ing. Weber Massivhaus GmbH aus Isernhagen mit dem Projekt „Inklusives Wohnen im Wohnhof Hauptstraße in Wunstorf“. In dem Projekt entstehen bis Ende 2025 insgesamt 21 Wohnungen für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen, die alle barrierefrei bzw. rollstuhlgerecht konzipiert sind. Darüber hinaus werden Therapie- und Gemeinschaftsräume sowie ein öffentlich zugänglicher Mehrzweckraum in dem Gebäudeensemble integriert. Ein gemeinschaftlicher Wohnhof vervollständigt das Angebot, um die Kommunikation der Hausgemeinschaft und Nachbarschaft zu fördern.

Ein Leitmotiv für das im Bau befindliche Projekt ist die Schaffung von bezahlbarem, nachhaltigem und modularem Wohnungsbau, welcher durch Qualität und Einfachheit geprägt wird. Die Realisierung erfolgt vor allem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Möglichst viel der alten, abzubrechenden Bausubstanz wird aufbereitet und einem neuen Lebenszyklus zugeführt. Der Neubau wird mit dem staatlichen Qualitätssiegel „Nachhaltiges Gebäude“ zertifiziert.

Neben Weber Massivhaus zählten drei weitere Unternehmen aus Niedersachsen und Bremen zu den Nominierten:

  • Gundlach Bau und Immobilien GmbH & Co. KG mit dem Projekt Herzkamp „heute morgen leben“, Hannover
  • Interhomes AG mit dem Projekt „Grundschule Gartenstadt Werdersee“, Bremen
  • Meinhof und Felsmann GBS GmbH & Co. KG mit dem Projekt „Umbau ehemalige Athanasiuskirche“, Hannover

Der BFW Niedersachsen/Bremen gratuliert seinen Mitgliedsunternehmen. Vorstandsvorsitzender Dirk Streicher betont: „Wir sind stolz, dass gleich vier Projekte nominiert waren. Es zeigt, wieviel Innovationskraft unsere Mitgliedsunternehmen täglich unter Beweis stellen. Trotz schwierigster Bedingungen gelingt es unserer Branche, Projekte zu realisieren, die ökonomischen, ökologischen und sozialen Ansprüchen gerecht werden. Der Sonderpreis für soziale Verantwortung würdigt zudem das besondere Engagement, auch zielgruppenspezifischen Wohnraum zu bezahlbaren Preisen herzustellen. Herzliche Glückwünsche an alle Gewinner und Nominierten aus ganz Deutschland!“

 

Weitere Informationen zum B!WRD, den Nominierten und Preisträgern finden Sie hier:

B!WRD – BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V.


In Erinnerung an Prof. Dr. Peter Hansen

Vom Gründungsmitglied über sein ehrenamtliches Engagement als Vorstandsvorsitzender bis hin zu seinem Einsatz in der politischen Interessenvertretung – Prof. Dr. Peter Hansen hat den BFW Niedersachsen/Bremen e.V. mit seinem jahrzehntelangen Wirken entscheidend geprägt. Darüber hinaus leistete er als Unternehmer durch umfangreiche Wohn- und Gewerbebauaktivitäten einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung der Landeshauptstadt Hannover. Prof. Hansen war zudem eine geschätzte Persönlichkeit, der mit Unternehmergeist und Herzblut insbesondere auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum vorangetrieben hat.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

Der Vorstand und die Geschäftsführung des BFW Niedersachsen/Bremen e.V.