Hannover-Forum 2018

„Smart City – Smart Home“

Nordwestdeutsche Immobilien- und Wohnungswirtschaft diskutiert über Perspektiven und Entwicklungen der Branche

Wie intelligent ist das durchschnittliche Haus schon heute? Dies war eine der zentralen Fragen beim Landesverbandstag des BFW Niedersachsen/Bremen. In seiner Eröffnungsrede zum 36. Hannover-Forum betonte Vorstandsvorsitzender Dirk Streicher: „Die breite Masse unserer Häuser ist noch nicht so smart wie deren Nutzer es bereits sind. Durch die Digitalisierung eröffnen sich neue Perspektiven. Sie wird in Zukunft eine zentrale Rolle für die mittelständische Immobilien- und Wohnungswirtschaft einnehmen“. Die zunehmende Relevanz des Themas für die Branche zeigten auch die rund 230 Teilnehmer, die die Gelegenheit nutzten, sich über smarte Lösungen und digitale Innovationen auszutauschen. 

Automatische Erkennung von aktiven Herden und diverse „smarte“ Kleinigkeiten, die gerade im Bereich von Seniorenwohnungen schon vermehrt eingesetzt werden – Was Stefanie Brinkmann-Gerdes von der GSG OLDENBURG noch als provinziell empfindet, hebt Streicher schon als deutlich mehr als den Standard hervor. Mit Beispielen unter anderem aus Singapur und Saudi-Arabien gab Marc Schmidt, Berater für Digitale Transformation der Immobilienwirtschaft und zugleich Moderator der Veranstaltung, einen visionären Ausblick auf das Thema. Doch smarte Maßnahmen einer Stadt, wie beispielsweise sensorische Straßenbeleuchtung, intelligente Müllentsorgung oder selbstgesteuerte Sprinkleranlagen, sind seiner Auffassung nach auch hierzulande keine „Raketenwissenschaft“ mehr. Daher ist es Schmidt zufolge nur noch eine Frage der Zeit, wann diese umgesetzt würden. „Mit Blick auf diese Entwicklungen werden Daten immer mehr zum neuen Rohstoff für urbanes Leben und eine vernetzte Gesellschaft. Eine barrierefreie Kommunikation der Systeme sollte das Ziel sein, damit keine Insellösungen entstehen“, so Schmidt.

38. BFW Hannover-Forum 2018 by Niklas KrugVon visionären Perspektiven bis hin zum realen Praxisbeispiel

Das Nachmittagsprogramm des diesjährigen Landesverbandstags spannte dementsprechend einen Bogen von „Smart Cities“ über „Smart Buildings“ bis hin zu einem bodenständigen Praxisbeispiel aus Oldenburg, das anschaulich verdeutlichte, wie die mittelständische Immobilienwirtschaft schon heute mit diesen Anforderungen umgehen kann. Dr. Helge Plath, Geschäftsführer von Drees & Sommer Advanced Building Technologies, betonte, dass es in den letzten 20 Jahren beim Bauen viel um sparen, reduzieren und vermeiden ging: „Das nachhaltigste Gebäude wäre dementsprechend eins, das nie gebaut würde. Es gilt jedoch positive Gebäude zu schaffen. Nicht immer noch mehr Effizienz um jeden Preis, sondern mit Intelligenz zu mehr Effektivität. Wenn wir uns trauen, Gebäude und die damit verbundenen Prozesse neu zu denken – nämlich in Stoffkreisläufen und neuen Geschäftsmodellen, dann lösen wir damit viele Probleme und erreichen mehr Qualität, mehr Gesundheit, höhere Flexibilität, weniger Ressourcenverbrauch und – bei längerfristiger Betrachtung – sogar Wirtschaftlichkeit. Die Entwicklung der Digitalisierung trägt entscheidend hierzu bei.“

Brinkmann-Gerdes stellte das Leuchtturmprojekt der GSG OLDENBURG vor. Eine knapp vier Hektar große Fläche wird in den kommenden fünf Jahren zu einem energetischen Nachbarschaftsquartier mit über 100 Wohneinheiten in Bestand und Neubau entwickelt. Dadurch, dass in dem Projekt auch Bestandsbauten smart umgebaut werden, können die sich bewährenden Konzepte im Anschluss auf bestehende Gebäude angewendet werden und nicht nur im Neubau realisiert werden: „Es gilt, erstmal anzufangen, dadurch auch andere zu aktivieren und voneinander zu lernen“. Dem stimmt auch Dr. Frank Eretge, Geschäftsführer der Gundlach Bau und Immobilien GmbH, zu: „Wir sind alle klein und auf Kooperationen angewiesen. Wir alle müssen noch umdenken was die Digitalisierung betrifft und sind noch nicht so weit, dass wir alleine den großen Wurf machen können.“


38. BFW Hannover-Forum 2018 by Niklas KrugBranche teilweise noch in „Lauerstellung“

Die Teilnehmer zeigten sich beim Thema in Teilen noch zurückhaltend. Dies wurde durch Aussagen aus dem Publikum deutlich, nach denen die rasanten Entwicklungen in der Branche von einigen zunächst noch beobachtet werden, um nicht zu früh in „smarte Maßnahmen“ zu investieren. Dr. Eretge berichtete von seinen Praxiserfahrungen: „Die innovativen Datenleitungen werden bei unseren Objekten schon mal gelegt, mal schauen, was wir daraus machen. Ich habe heute auf jeden Fall nichts gehört, auf das ich keine Lust hätte, es umzusetzen“.

Politisch gesehen noch Luft nach oben

Einig war sich die Branche in jedem Fall darin, dass die größte Hürde derzeit die langsamen Prozesse innerhalb eines Bauprojektes sind. Dr. Nikolaos Oikonomidis, Key Account Manager Smart Cities bei der Robert Bosch GmbH, fasst zusammen: „Da hat die Politik auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial, um die Prozesse zu optimieren.“ Auch Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverbands aus Berlin, weist auf die Hürden hin, die durch die Politik an die Immobilien- und Wohnungswirtschaft herangetragen werden: „In 171 Tagen ohne Bundesregierung haben wir alle eins sicher nicht vermisst: Die Mietpreisbremse, neue Brandschutzverordnungen und die vielen weiteren neuen Vorschriften, die den Neubau hemmen und die niemand mehr versteht.“ In diesem Sinne fordert Ibel von der Politik weniger Ankündigungen und Diskussion, sondern Unterstützung für die Branche, damit Bauprojekte einfacher umgesetzt werde können. Dass die Zahlen der Neubauten zurück gehen, zeigen auch die Ergebnisse des BFW-Neubauradars: „Nicht zuletzt liegt das auch daran, dass die Prozesse immer langsamer werden“, betont Ibel.

BFW als Sprachrohr zwischen Branche und Politik 38. BFW Hannover-Forum 2018 by Niklas Krug

Frank Doods, seit Ende 2017 Staatssekretär im niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Bau und Energie und damit verhältnismäßig jung im neuen Amt, war bereits zum zweiten Mal Gast beim BFW. Er lobte den Verband als kritisch und zugleich fordernd, aber auch sehr konstruktiv und dankte im Namen des niedersächsischen Bauministeriums für die gute Zusammenarbeit. Mit Blick auf das Veranstaltungsthema führte er an: „Die Entwicklungen zu Smart City – Smart Home sind besonders spannend: Durch die Digitalisierung entstehen für alle Akteure neue Herausforderungen und nicht alle Unternehmen sind gleichermaßen auf diese Entwicklungen eingestellt“. Entsprechende Technologien würden immer wieder neue Aufgaben mit sich bringen, die es gilt, gemeinsam anzunehmen und die neuen Wege zu beschreiten.

Gemeinsam Unbewegliches bewegen

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Themen wie die Schaffung von günstigem Bauland und die gesteigerte Komplexität der Prozesse die Branche schon seit Jahren beschäftigen. „Das sind Themen, die wurden bereits auf dem 1. Hannover-Forum vor 36 Jahren besprochen“, betont Streicher. „Wichtig ist nach wie vor, dass die Branche nicht zum Stillstand kommt und wir weiterhin gemeinsam ‚Unbewegliches bewegen‘.“

Um weiterhin gemeinsam etwas zu bewegen, wurden auch in den am Vormittag stattfindenden Panels zu den Themen „Smart Systems“, „Smart Buildings“, „Immobilienmanagement“ und „Human Resources“ verschiedene Fragestellungen aufgegriffen, die die mittelständische Wohnungs- und Immobilienwirtschaft derzeit beschäftigen.

Bildquelle: Niklas Krug

 

Das detaillierte Programm können Sie im Einladungsflyer nachlesen:

BFW_NB_HF_18_Flyer_180315_web.pdf pdf Datei ansehen —  Datei herunterladen

 

Hier die Partnerunternehmen im Überblick.

In unserer Bildergalerie finden Sie Fotos von der Veranstaltung.